
Stellungnahme zum neuen Begräbnisrituale
Mit etwas Verspätung (u. a. infolge einer Darmoperation am 3. November 2009, wegen Darmverschlingung) habe ich die Stellungnahmen von Mitbrüdern zur Formulierung der Gebete im neuen Begräbnisrituale (Die kirchliche Begräbnisfeier) in „Gottesdienst“ 18/2009, 144f und 20/2009, 163, gelesen, zuletzt auch in der Tagespost vom 21.11.2009, 15. Ein Blick in das Buch selbst genügte, um zu erkennen, wie Recht die Leserbriefschreiber mit ihren Beschwerden haben.
Einer von ihnen erklärt: „Diese Amtsgebete verwende ich nicht … Ich bau jetzt mein privates Buch …“ Ein anderer dagegen versichert, er werde „dieses Rituale … verwenden“, aber nur, weil er „Gehorsam geschworen“ habe.
Letzterem Bedenken gegenüber meine ich eine entscheidende Entwarnung anführen zu können. Bevor das Erste Vatikanische Konzil 1870 bereit war, mit großer Mehrheit den vollen Jurisdiktionsprimat des Papstes über die gesamte Kirche anzuerkennen, ließ sich die Vollversammlung vom Berichterstatter, der in enger Absprache mit dem Papst handelte, folgende Zusicherung geben: Auch für päpstliche Anordnungen und Gesetze gelten dieselben Regeln, die die traditionelle katholische Moraltheologie hinsichtlich der moralischen Verbindlichkeit aller menschlichen Gesetze und Anordnungen aufgestellt hat. Die gesamte Moraltheologie aber „verkündet laut“, dass „Anordnungen, die offensichtlich ungerecht, nichtig und schädlich sind, (keine) verpflichtende Wirkung haben können, es sei denn, um Ärgernis zu vermeiden“ (Mansi 52, 1109; Näheres dazu in meinem Buch „Sakramentenpastoral geht auch anders“, 2007, 28-33).
Im vorliegenden Fall bin ich aufgrund der genannten Äußerungen von Mitbrüdern ebenso wie aus eigener Anschauung fest davon überzeugt, dass es schädlich und ungerecht wäre, den unveränderten Gebrauch der uns vorgegebenen Texte zu verlangen.
Mich selbst betrifft die Frage von der Praxis her kaum noch. Als Pfarrer im Ruhestand und Subsidiar mache ich zwar viele Aushilfs- und Vertretungsdienste für Zelebrationen, jedoch immer nur für gewöhnliche Sonntags- oder Wochentagsgottesdienste. Was dagegen Kasualien aller Art betrifft, wissen meine Mitbrüder im Umkreis, dass ich für solche nur dort zur Verfügung stünde, wo ich die entferntere und die nähere Hinführung dazu sowie die Anwendung der Zulassungskriterien selbst in der Hand hätte. Wie sich meine diesbezügliche Praxis im Verlauf meiner aktiven Dienstzeit im Zusammenleben und im Austausch mit meinen Gemeinden entwickelt hat und welches die Reaktionen darauf gewesen sind, habe ich in demselben Buch ausführlich beschrieben. Das Kapitel über die kirchliche Beerdigung findet sich auf S. 281-314.
Interessenshalber und als denkbare Hilfestellung für die Mitbrüder im aktiven Dienst habe ich mir dennoch das zu Recht am meisten kritisierte „Verabschiedungsgebet“ des Rituale (S. 60f) vorgenommen und versucht, es bei möglichst geringfügiger inhaltlicher Veränderung in eine sprachlich annehmbare Form zu bringen, so dass man ihm den Charakter einer Übersetzung möglichst wenig anmerkt. Längere lateinische Perioden mit Haupt- und Nebensatz mussten daher jeweils in zwei Hauptsätze aufgelöst werden. Die „Ohren deiner Barmherzigkeit“ mussten selbstverständlich weg, und statt der mythisch klingenden „Pforten des Paradieses“ scheint mir „das Tor zum ewigen Licht“ heutigen Menschen unseres Sprachbereichs viel eher etwas bedeuten zu können. „… einander zu trösten mit der Botschaft des Glaubens“ stellt für die erdrückende Mehrheit der Begräbnisteilnehmer eine eindeutige Überforderung dar. Ich habe den Gedanken aufgeteilt in: „Trost zu finden in der Botschaft des Glaubens“, und andererseits „einander Trost schenken“ – wobei offen bleibt, womit Letzteres jeweils geschehen soll. „… am Letzten Tag“ ist die absolut wörtliche Übersetzung von „in novissimo die“. Der „Jüngste Tag“ bedeutet genau dasselbe, wobei dieser Ausdruck weder gehobener noch sakraler, sondern lediglich veraltet ist. – Für einen Vortrag bei Wind und Wetter (und öfters wohl leider in Eile) empfiehlt sich ein Ausdruck in Sinnzeilen.
Hier nun dementsprechend mein Alternativentwurf:
Verabschiedungsgebet (Mann)
In deine Hände, guter Gott und Vater,
empfehlen wir die Seele unseres Bruders N.
Wir tun es in der festen Hoffnung,
dass alle, die in Christus gestorben sind,
mit Christus auferstehen werden am Letzten Tag.
(Wir danken dir für alle deine Wohltaten,
mit denen du deinen Diener
in seinem irdischen Leben so reich beschenkt hast.
Sie sind für uns ein Zeichen deiner Güte
und lassen uns etwas ahnen
von der seligen Gemeinschaft,
die du für uns in Christus bereithältst.)
So erhöre denn unsere Bitten, o Herr,
in deiner großen Barmherzigkeit,
und öffne dem Verstorbenen das Tor zum ewigen Licht.
Uns aber, die zurückbleiben,
gib die Kraft, Trost zu finden in der Botschaft des Glaubens
und einander Trost zu schenken
(bis wir alle vereint sind in der seligen Gemeinschaft mit dir).
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
F. R.