Zur sogenannten Loveparade


Im Folgenden lasse ich die Leserbriefe von Herrn Wolfram Ellinghaus und Herrn Heinz Josef Ernst in der Tagespost vom 31.7.2010, S. 15 abdrucken und mache mir deren Inhalt voll zu eigen. Ich frage mich, ob wir – die Verfasser der Leserbriefe, ich selbst und viele Menschen, die diese Art von Treffen aus der Nähe oder aus dem Fernsehen kennen –

hoffen dürfen, dass auch unsere Bischöfe diesbezüglich zu einer ralistischeren Einschätzung kommen und dementsprechend Klartext reden werden; und ob sie ihre Pfarrer motivieren werden, jegliche Ansätze zu ähnlichen Zuständen in ihren Pfarrheimen (wie im zweiten Leserbrief an einem Beispiel geschildert) in Wahrnahme ihrer Hirtenpflicht zu unterbinden.

 

F. R.

 

Hier nun die beiden Leserbriefe:

 

Entwertung des Wortes Liebe

 

Bisher war ich immer sehr zufrieden mit der Berichterstattung der Tagespost über gesellschaftliche Ereignisse. Die über das Unglück in Duisburg fand ich jedoch ausgesprochen defizitär. Zum Ausdruck der Trauer und des Mitgefühls mit den Opfern und deren Angehörigen gehört doch in einer eigentlich der christlichen Moral verpflichteten Zeitung eine grundsätzliche Bewertung von Veranstaltungen wie dieser sogenannten „Loveparade“, wobei schon diese Bezeichnung ein widerlicher Missbrauch, eine völlige Entwertung des schönen Wortes „Love“ oder „Liebe“ bedeutet.

 

Ursprünglich fand diese Veranstaltung in Berlin statt. Was da z.B. im Fernsehen an Einzelheiten geboten wurde, war so widerlich, dass man es in einem um zivilisierte Sprache bemühten Leserbrief nicht ausdrücken mag.

 

Aus meiner undeutlichen Erinnerung muss ich aber auch folgendes Erfreuliche erwähnen: Eine Gruppe junger Leute hatte im Vorfeld, als wieder so eine Veranstaltung geplant wurde, mit Tricks die Veranstaltung verhindert, wofür sie dann von Journalisten, die offensichtlich wie die Aktiven dieser Veranstaltung auf der moralisch untersten Stufe stehen, mit Hohn übergossen wurden. Diese jungen Leute geben mir aber Hoffnung, vielleicht sind es gar nicht so wenige, und sie werden nur von den Medien unterdrückt.

 

Wolfram Ellinghaus

 

(Vollständiger Originaltext, einschließlich des letzten Abschnitts, der beim Abdruck in der Tagespost entfallen ist)

 

 

Junge Leute brauchen Orientierung

 

Zum Kommentar „Kommerz statt Sicherheit“ von Johannes Seibel (DT vom 27. Juli): Es ist lobenswert, wenn die Kommerzialisierung der Love-Parade kritisiert wird, die – wie in Duisburg geschehen – „über Leichen geht". Nicht lobenswert ist jedoch die Verharmlosung der Rave-(Techno-)Kultur. Wer sich mit dieser Kultur ein wenig auskennt, weiß, dass solche Raves (Rave, engl., bedeutet: rasen, schwärmen, toben, fantasieren) nicht ohne Drogenkonsum ablaufen. Es gibt zwar neben den härteren auch die gemäßigten Stilrichtungen, aber unbedenklich sind sie alle nicht. Ich selbst habe am eigenen Leib die Wirkung schmerzhaft erfahren müssen, auch auf einer entsprechenden Jugendparty in unserem Pfarrzentrum. Dabei habe ich begriffen, dass Menschen die zerstörerische Wirkung von Techno nur unter Alkohol/Drogen auf Dauer ertragen können. Als Ordner bei dieser Party erlebte ich genügend „Zugekiffte“ und Alkoholisierte. Als „Lohn“ für meinen Alkoholkontrolldienst kassierte ich einen Faustschlag mitten ins Gesicht. – Ja, gerade weil ich junge Menschen über Jahre begleitet habe, liegt mir deren Wohl am Herzen und kenne auch die Probleme. Die jungen Leute brauchen Orientierung, bevor sie Gesundheitsschäden, wie Hörsturz und Drogenabhängigkeit erleiden. Leider gehen auch Aussagen wie die von Kardinal Meisner in diesem Zusammenhang („ein harmloses Vergnügen“) an der Wirklichkeit vorbei.

 

Heinz Josef Ernst